Nationalrat Köbi (Jakob) Büchler
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Reise der SiK-N Delegation nach Kosovo

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Eine Delegation der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates hat unsere Swisscoy Soldaten im Kosovo besucht. Wir wurden wir auf dem Flughafen in Pristina vom nationalen Befehlshaber des 18. Kontingentes der Swisscoy, Oberstleutnant Nicolas Roduit und vom Schweizer Botschafter Thomas Beglinger sehr herzlich empfangen.

Am Anfang stand ein Kurzbesuch in der Schweizer Botschaft auf dem Programm. Auffallend waren die vielen jungen Männer und Frauen die vor der Schweizer Botschaft ein Visum beantragten. Im Jahr 2006 wurden 17 000 Visa erteilt. Für 2007 und 2008 sind die Gesuche leicht gestiegen. Nach Angaben des Botschafters werden rund 80 % der Visa bewilligt. Die grosse Mehrheit, rund 75 % kommen als Touristen in die Schweiz (Besuch von Verwandten).

Die Delegation der SiK-N hat einen sehr guten Eindruck von den Swisscoy -Soldaten erhalten. Das Camp Casablanca ist hervorragend organisiert.

Unsere Delegation wurde von der Österreichischen Ehrenwache und den Fahnendelegationen aus Österreich und der Schweiz staatsmännisch begrüsst.

Auf einem Rundgang durch das Camp wurde uns die Logistik gezeigt, vom Sanitätsposten, der von Österreichischen und Schweizer Ärzten und Pflegepersonal geführt wird über die technisch hochstehende Trinkwasser-Aufbereitung bis hin zur Werkstatt für den Fahrzeugunterhallt.

Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes erhielten wir Einblick in die Bewachungsaufgaben der Infanteriekompanie. Wir wurden in die Aufträge dieser Einheit eingeführt im Gebiet der serbischen Minderheiten. Als Mitfahrende konnten wir hautnah erfahren, wie den Swisscoy-Truppen von den Einheimischen zugewinkt wurde.


Unser Aufenthalt im Camp Casablanca in Suva Reka war sehr beeindruckend. Die Swisscoy arbeitet hervorragend zusammen mit den Österreichern und den deutschen KFOR Truppen. Es wird sehr gute Arbeit geleistet. Die Schweizer Truppen werden von allen Nationen sehr geschätzt.
Das Treffen mit dem stv. Kommandanten KFOR Süd General Major Gerhard Stelz der Deutschen Bundeswehr war sehr informativ.

Major Stelz nannte die Dinge beim Namen.

Insgesamt sind 15 300 KFOR Soldaten aus 35 Nationen in dieser Region stationiert.
Kosovo braucht dringend private Investoren, damit die Wirtschaft zum Laufen gebracht werden kann. Die lebenswichtigen Infrastrukturen: Wasserversorgung, Energie, Abwasser, Strassen sind nicht oder nur schlecht vorhanden. Stromausfälle während mehreren Stunden am Tag sind an der Tagesordnung.

50 % der jungen Menschen zwischen 20 und 30 Jahren sind arbeitslos. Das Bildungssystem ist schlecht organisiert.
Korruption bis in die höchsten Regierungsstellen ist leider Tatsache. Zitat des General Majors Gerhard Stelz;
„Frauen-, Drogen- und Waffenhandel wird systematisch betrieben".
Die Lage im Norden Kosovos, dort wo die meisten Serben wohnen, ist ruhig aber angespannt. Es braucht sehr wenig bis es zu Ausschreitungen kommt. Am 17. März 08 kam es zu schweren Disputen und grossen Sachbeschädigungen zwischen Serben und Kosovo- Albanern. Wenn die KFOR Truppen sich den Randalierern entgegenstellen, werden Frauen und Kinder vorne an die Kampffront gestellt.

Im Süden des Kosovo, da wo die Swisscoy stationiert ist, ist die Lage stabiler als im Norden. Diese kann aber sehr schnell ändern, und es kann zu jeder Zeit zu Zwischenfällen kommen.
Nach dem Beschluss der Unabhängigkeit kam es zu Kundgebungen, grössere Ausschreitungen konnten aber verhindert werden. Es kommt auch jetzt noch zu vereinzelten Kundgebungen, diese sind aber abnehmend und es gab in letzter Zeit auch keine Gewaltanwendungen mehr.
Vor den Wahlen in Serbien reisten kandidierende serbische Minister durch Kosovo, was zu Provokationen führte.

Die Unabhängigkeit im Kosovo hat beim Volk viele Erwartungen und Hoffnungen geweckt, die nicht alle befriedigt werden können.

Die KFOR zeigt Präsenz und die Bevölkerung will sie sehen. Ihre Anwesenheit gibt ihnen eine spürbare Sicherheit, auf die sie nicht verzichten wollen. KFOR Soldaten werden nicht als Besatzungsmacht empfunden sondern als Schutzmacht..

Bei der Besichtigung der Stellungen der Swisscoy fallen die vielen neuen Häuser auf, die alle im Rohbau stehen und nicht fertig gebaut sind. Diese Häuser werden aus sog. Diaspora-Investitionen finanziert. (Geld, das von Verwandten aus der Schweiz oder andern Ländern ins Land fliessen).

Bei einem Treffen der Multinationalen Task Force Süd wurden wir von dessen Kommandanten
Brigade General Ugur Tarcin der Türkischen Armee empfangen.

Auch er unterstrich die Wichtigkeit der KFOR Truppen und die hervorragende Zusammenarbeit der Swisscoy im Rahmen der KFOR.

Am 3. Tag trafen wir uns mit einer Delegation der Sicherheitspolitischen Kommission des Kosovarischen Parlamentes. Es wurden grosse Erwartungen an uns gestellt mit der Bitte, ihrem noch sehr jungen Land zu helfen.
Die Fragen über die Zukunft des Kosovo und der Landwirtschaft im Kosovo von unserer Seite wurden mit langen, ausschweifenden aber nicht viel aussagenden Voten beantwortet. Es zeigte sich eine gewisse Hilflosigkeit.

Weitere Treffen fanden mit Botschafter Tim Guldimann von der OSZE statt. Botschafter Guldimann rief uns dazu auf, die Swisscoy auf Brigadestärke (500AdA) so schnell wie möglich zu erhöhen.
Der Abzug der Georgier habe gezeigt, dass jedes KFOR Mitglied dringend gebraucht werde.

Zusammenfassend hat die Delegation den klaren Eindruck erhalten, dass die Swisscoy

1. Einen hervorragenden Ruf hat und ebenso hervorragende Arbeit leistet.

2. Es würde von den Nachbarstaaten überhaupt nicht verstanden, wenn wir die Swisscoy- Einsätze jetzt beenden würden.

Der Einsatz der Swisscoy Truppe ist bis am 31. Dezember 2011 beschlossen worden. Über eine Verlängerung dieses Einsatzes wird das Parlament demnächst entscheiden.

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